Kunst aus Kontrasten

Ein Experiment aus New York: Loesche und Sommer malten auf einer Leinwand,
einer abstrakt, der andere gegenständlich.

Ihre Familien und Freunde hatten ihnen abgeraten, "das geht schief, ihr seid doch zu verschieden, ihr kommt euch ins Gehege". Die beiden Maler Wolfgang Loesche (51) und Dirk Sommer (44) wagten trotzdem das Experiment, in einem Atelier in New York auf einer Leinwand gemeinsam zu arbeiten. Es klappte hervorragend, wie erstmals auf der heute beginnenden Ausstellung in der Galerie Osper auf 40 Bildern zu sehen ist. Dabei könnten die Gegensätze zwischen den Künstlern nicht größer sein: Loesche malt gegenständlich mit Acrylfarbe und einem dramaturgischen Konzept, Sommer nach Intuition abstrakt und in Öl. Sommer ist Weinkenner, er kocht gerne und bevorzugt Reisen in exotische Länder. Loesche ist vor allem Biertrinker und Fernweh ist ihm fremd.

Die Idee, in New York ein temporäres Atelier einzurichten, hatte ihr Kölner Galerist Knut Osper, die Idee einer künstlerischen Kollaboration wurde bei einem Dreiertreffen im Päffgen auf der Friesenstraße geboren. Ganz neu war sie nicht, denn ähnliches haben schon andere Künstler erprobt, zum Beispiel Warhol und Basquiat.

1996 hatte Sommer mit finanzieller Unterstützung von Osper in einer ehemaligen Fabrikhalle in Brooklyn zusammen mit den New Yorker Künstlern Marc Parrish und Frauke Ebinger ein Atelierhaus für sich und andere Künstler gegründet. Der Aufforderung, auch den Sprung über den großen Teich zu wagen, stand Loesche, der in den vergangenen Jahren hier vor allem durch seine Comic-Malereien mit Donald Duck bekannt wurde, zunächst skeptisch gegenüber. Nun könnte man fragen, warum New York, warum nicht Köln? Loesche: "Das völlig neue Umfeld, die Spannung der unterschiedlichen Kulturen in dieser Millionenstadt, das bringt eine neue Qualität."

Ihre Zusammenarbeit muß man sich ganz praktisch vorstellen: Der eine beginnt oben rechts auf der Leinwand, der andere unten links. Zu Beginn hatten sie abgesprochen, den anderen in seiner künstlerischen Art zu respektieren, auf die Zähne zu beißen, nicht zu kritisieren, nicht eifersüchtig zu sein, wenn es stellenweise zu Übermalungen kommt. Eins war ihnen beiden wichtig: Die künstlerische Handschrift eines jeden sollte klar erkennbar sein. Sommer: "So etwas funktioniert nur, wenn man demokratisch agiert, wenn man schmunzeln kann." Die Honorare bei Verkäufen wollen sie teilen und so lange weiter zusammenarbeiten, wie es Spaß macht.

Kölner Stadt-Anzeiger - Nr. 222 - Donnerstag, 24. September 1998, von Ute Kaltwasser