Kunst Positionen

Ausstellung des BBK im Schwarzen Kloster Freiburg

Kunst als kitschige Ansammlung elitärer Symbolfiguren, als tägliches, stündliches, ja minütliches Ereignis, als räumliche und zeitliche Unendlichkeit ? Kunst als Ausdrucksmittel des trinkenden und rauchenden Menschen, des vermeintlich Allwissenden in der weiten Welt des Universums, Kunstperspektiven, die Sven Daemen, Cristina Ohlmer und Dirk Sommer zur Zeit unter dem Titel "Positionen" im Schwarzen Kloster zeigen. So unterschiedlich die Werke auf den ersten Blick scheinen, so ähnlich ist ihr Kern: Die Kunst als weites, unfaßbares Spektrum.

Respektlos hängt Daemen 250 Künstlerköpfe an die lange Wand. 13 Symbolfiguren der Kunstgeschichte, vom jesusartigen Dürer bis zum schmunzelnden Andy Warhol? süffisant lächelnd, fast kitschig verklärt schauen sie als kleine braune Gußharzköpfe diagonal in den Raum. Zu erkennen nur, wenn man den richtigen Betrachtungswinkel findet, die richtige Position zur Kunst. Die Ansammlung der immer noch modernen Megastars verleitet zum Fingerzeig, zum Raten, zum trivialen "who-is-who-Spiel" für das Bildungsbürgertum. Picasso und Käthe Kollwitz als Sammelobjekte im Stil der Mädchenköpfe, wie sie in den 60er Jahren en vogue waren und die spießigen Wohnzimmerwände schmückten. Das weite Feld der Kunst reduziert Daemen auf einen lächerlichen destruktiven Personenkult.

Auch für Cristina Ohlmer ist die Kunst nur ausschnittweise zu fassen. Ein Stab aus Messing, Blei und Graphit bohrt sich aus einem Spionspiegel an der Decke in einen anderen auf dem Boden ? ein symbolisch vergrößerter Bleistiftstrich als Kunstsymbol, der im Ausstellungsraum nur einen Bruchteil seiner unendlichen Länge preisgibt. Daneben ein Abreißkalender mit Sprüchen. Symbolisch ? und zugleich Titel der Installation? der 1. Juli: "Nulla dies sine linea" steht auf dem Blatt "kein Tag ohne Strich". Mit Ermunterungssprüchen reißt Ohlmer verschiedene Kunstpositionen an, jedes Blatt ziert der Werbespruch: "IMAGININ macht mutig, IMAGININ macht frei." Ohlmer macht die räumliche und zeitliche Grenzenlosigkeit des Genres bewußt, die Uneingeschränktheit der Kunst, die nur in Bruchstücken, in Linienausschnitten wahrgenommen werden kann.

In seiner Installation und Malerei "Der Mensch ist nur ein Klumpen Zeit" stellt Dirk Sommer an den beiden gegenüberliegenden Raumwänden das Künstlerschaffen der wissenschaftlichen Arbeit gegenüber."...Wie klein wir sind, wissen wir doch alle..." ist das Bild in Cy Twombly Manie betitelt, das ein gasmaskenartiges Gebilde zeigt. Darunter ein gläserner Schreibtisch mit Feuchtwanger?Büchern und wissenschaftlichen Abhandlung über die Kosmologie. Als Übergang zur gegenüberliegenden Installation zwei Fotos mit dem Titel "Archäologische Zone", dann eine Installation mit neun Tellern, gefüllt mit "Künstlernahrung". Rotwein, Tabak und Haschisch. Daneben ein Bild mit dem roten Schriftzug: "Setz Dich zu uns, Tigermann, verweile ein wenig." Sommers symbolisch überfrachtetes Werk ist kaum zu greifen, bietet keine eindeutige Position, sondern wohldrapierte Assoziationsversuche um die Rolle des Künstlers in der großen weiten Welt.

Mit dieser Ausstellung setzt der BBK seine neue Philosophie einmal mehr mit Erfolg um, sich auf wenige Künstler zu beschränken und anstatt willkürlichem Allerlei eine wohlkonzipierte Ausstellung zu präsentieren.

Kultur Joker, Freiburg, 05. September 1995, von Axel Brüggemann