Sprache einer neuen Zeit

Farbe, Linien, Chiffren: Werk von Dirk Sommer passt zur Firma " Meta Finanz"

Was bewegt einen Künstler, der ein Atelier in Freiburg, Köln und New York hat zu einer Ausstellung in St. Georgen? Nun, da findet sich zunächst die ganz unkünstlerische Tatsache, dass der Künstler sein Freiburger Atelier gerade ausräumt und bis zum Einzug ins neue Atelier seine Bilder gewissermaßen auslagern muss. Die St. Georgener Firma "Meta Finanz" ihrerseits ist durch ihre modernen Räumlichkeiten für Kunstausstellungen geradezu prädestiniert und gewährt dem Maler Dirk Sommer deshalb gerne einen "Zwischenstopp" für seine Werke.

Bei der Vernissage am Freitagabend stellte der Geschäftsführer des Unternehmens, Herbert Stieglitz, die Verbindung zwischen einer Software-Firma und Kunst her: "Wir produzieren Farben, Linien, Formen und Chiffren auf dem Bildschirm, der Maler macht das auf der Leinwand." In der Tat bestehen etliche Korrespondenzen: Die Bilder von Dirk Sommer bestehen neben Farben aus Linien und Chiffren, er verbindet Malen und Zeichnen miteinander. Was dabei entsteht, sind informelle Bilder - die an den verschiedensten Orten der Welt ihren Ursprung haben. Mit dem Titel der Ausstellung "Zwischenstopp" kann man daher zugleich die Auslagerung der Werke verknüpfen oder ihn als Hinweis auf die wechselnden Aufenthaltsorte des Künstlers interpretieren.

Zentrales Thema der Bilder ist immer wieder die Großstadt New York, wo Dirk Sommer ein Atelier im Stadtteil Brooklyn hat und das dem 45-jähigen Künstler ein schier unerschöpfliches Reservoir an Zeichen, Linien, Formen und diversen sonstigen Botschaften bietet. Dirk Sommer übersetzt diese Eindrücke in Formenkürzel und zeichnerische Symbole. Die großen Farbflächen auf seinen Bildern sollen den Eindruck von Sonnentagen am Strand von Coney Island darstellen ebenso wie den Landeanflug auf den Flughafen von New York oder einen Blick auf den Central Park. Die Zeichnungen deuten häufig architektonische Körper an, die der Betrachter selbst interpretieren kann. So jedenfalls sieht das die Kunstkennerin Beate Hill-Kallusche, die die Rede bei der Vernissage übernahm: jedes Bild von Dirk Sommer berge Rätsel, die der Betrachter ganz für sich alleine lösen müsse.

Die Ausstellung "Zwischenstopp" mit insgesamt 62 Werken von Dirk Sommer dauert bis Februar 2000 und kann zu den Geschäftszeiten der Firma "Meta Finanz" zwischen 8 und 17 Uhr besichtigt werden.

Südkurier 25.10.1999, Roland Sprich