Zwei Maler, eine Kunst

Wolfgang Loesche und Dirk Sommer

Bielefeld/Köln. Der Bielefelder Maler Wolfgang Loesche einmal gänzlich anders: ohne die Ente, also ohne seinen Donald Duck und - was bei bildenden Künstlern nur selten hinhaut - nicht allein. "Brooklyn Collaborations"~ heißt eine Ausstellung in der Kölner Galerie Osper, die ab Donnerstag, 24. September, Gemeinschafts- und Dialogbilder von Loesche und Dirk Sommer aus Freiburg zeigt. Die künstlerischen Neigungen, die die beiden von Hause aus pflegen, sind hinreichend unterschiedlich, um sie ungestörte Zuneigung zueinander fassen zu lassen. Loesche arbeitet figürlich, gegenständlich und Sommer bereitet dafür in abstrakter und zeichnerisch-skripturaler Malerei die Szene.

Zu einer Zusammenarbeit fanden die beiden Künstler in New York. Dort in Brooklyn gründete Sommer mit einigen Kollegen in einer ehemaligen Fabrikhalle 1996 ein Atelierhaus, das vielen Gästen unterschiedlicher Richtung, Nationalität und Profession rund um die Kunst Arbeitsstätten und ein Diskussionsforum bietet. 1997 und 1998 entstanden dort de meisten der in Köln ausgestellten Dialogbilder Loesches und Sommers. Fruchtbarkeit und Beständigkeit dieser Kollaboration ergeben sich dabei daraus, daß jeder der Künstler mit seinem Bildbeitrag, mit Handschrift und Prägung unverkennbar, damit in Spannung zu seinem Kollegen bleibt und sich die beiden gleichwohl bildnerisch ergänzen.

Völlig von seiner Obsession für Donald Duck ist Wolfgang Loesche, Jahrgang 1947, allerdings nicht genesen. Noch ein Viertel seiner Arbeitskraft verwendet er auf Bilder mit der Ente, die jedoch, wie er sagt, "inhaltlich umständlicher" geworden sehe Zu einem weiteren Viertel verlegt er sich auf die Dialogbilder mit Sommer, mit dem er - das dritte Viertel seiner Arbeitszeit - gemeinsam in der Schweiz Lithografien erarbeitet und druckt. Und dann gibt es da noch den Loesche, der sich auf sich selbst besinnt, der sich - zeitweise zurück aus Köln und New York - in sein Bielefelder Atelier zurückzieht und dort an künstlerischen Kompositionen über Text, Wort und Bild arbeitet - daran also, wo er, der am Fachbereich Design bei Prof. Karl Heinz Meyer Illustration studiert hatte, künstlerisch eigentlich herkommt.

Neue Westfälische, Nr. 222, Donnerstag, 24. September 1998, von Manfred Strecker